Die Kölner sind zu Recht stolz auf ihren
Rheinauhafen, verleiht er der Stadt doch einen modernen Anstrich.
Dennoch erscheint das Quartier vielen steril. Ein neues Konzept soll das
Areal jetzt beleben.
Köln -
Luftschiffe schweben majestätisch über dem Rhein, bevor sie auf die
Poller Wiesen zusteuern, wo Wettkampf-Aufgaben auf sie warten. Danach
kehren die drei bestplatzierten Zeppeline zurück zum Rheinauhafen, wo
die Zuschauer versammelt sind, und landen auf den Kranhäusern, wie auf
überdimensionalen Siegerpodesten.
So sieht es die Planung für die „Cologne Airship Games“ vor, die in
diesem Jahr stattfinden sollen, wenn sich die Finanzierung sichern
lässt. Der Zeppelin-Wettbewerb ist eine der Veranstaltungen, die das
neue Quartier zwischen Schokoladenmuseum und Kap am Südkai aufwerten
sollen. „Der Rheinauhafen wird zu einer riesigen Bühne, die sowohl
Kölner als auch auswärtige Besucher nicht nur durch ihre Architektur und
Lage, sondern auch durch ihre außergewöhnlichen Angebote anziehen
wird“, sagte Jörg Krauthäuser, Geschäftsführer der Agentur „facts and
fiction“, am Donnerstag bei der Vorstellung des Konzepts.
„Mir gefällt der Rheinauhafen gut, aber er ist etwas tot“
Auftraggeber ist die Rheinauhafen Verwaltungsgesellschaft (RVG), die
Mitte 2011 im Zusammenspiel mit den Investoren und Eigentümern des
Viertels den Beschluss fasste, dessen „Bespielung“ in professionelle
Hände zu legen. „Uns war es wichtig, bereits vor der endgültigen
Fertigstellung des Hafens die Weichen für seine zukünftige Entwicklung
zu stellen“, so RVG-Geschäftsführer Herbert Blatzheim. Ziel ist es, das
Quartier auf Dauer zu beleben – damit sich nicht der Eindruck festsetzt,
den ein Kölner bei einer Umfrage so formulierte: „Mir gefällt der
Rheinauhafen total klasse, aber er ist etwas tot.“
Das Konzept integriert bereits etablierte Veranstaltungen, die erweitert
werden sollen. So plant die Agentur zusammen mit den Machern von „Rund
um Köln“ ein „Radsportfest am Rhein“, und mit den Organisatoren von
„Rheinlesen“ und „Theaterbummel“ arbeitet sie daran, beide
Veranstaltungen zu verbinden; Abschluss ist eine Theateraufführung auf
einer schwimmenden Bühne.
Zu den neuen Formaten gehört ein Konzert der Band „E
rdmöbel“. Die Musiker werden auf einem der Kranhäuser spielen, und
übertragen wird das Ereignis auf Großleinwände. Zur
Fußball-Europameisterschaft lädt das Viertel zum „Private Viewing“ ein:
Auf dem Gelände werden Parzellen eingerichtet, die mit Wohnwagen,
Rollrasen, Gartenzaun, Picknick-Möbeln und Fernsehgerät ausgestattet
sind. Die Nutzung wird verlost, und die Gewinner können mit Freunden und
Bekannten die EM-Spiele im kleinen Kreis verfolgen. Zum
„Internationalen Kölner Rheinspringen“ Ende Juni treten Athleten im
Weit- und Stabhochsprung an. International ist auch das 5.
Maracatu-Treffen, das im Juli nach dreitägiger Dauer mit einer Trommler-
und Tänzer-Parade durch den Hafen zu Ende geht.
Mit der RVG plant „facts and fiction“ den Bau einer festinstallierten
Bühne, die für Konzerte, Aufführungen und das Sommerkino genutzt werden
kann. Ebenfalls vorgesehen sind einheitliche Stand- und
Präsentationsmodule, die zum Beispiel von Markt-Veranstaltern gemietet
werden können. Ein fester Prozentsatz aus der Vermietung der Flächen
soll in soziale Projekte fließen, Krauthäuser dazu: „Wenn wir ein
richtiges Kölner Veedel sein wollen, müssen wir uns auch um
gesellschaftliche Belange kümmern.“
Tod eines Kulturerbes?
Innenstadt (ha). Der Überlebenskampf der freien
Theaterszene in Köln offenbart sich als eine permanente
Abwehrschlacht gegen fehlende Geldmittel. Nicht auf der Bühne
und anhand der Qualität der Inszenierungen, sondern lediglich
auf den Bankkonten entscheidet sich das Schicksal des Kulturerbes
der Stadt.
Nach dem Theater "Der Keller" müssen auch die
Freunde der "Orangerie" um den Bestand ihrer Stätte
bangen.
Rund 1,7 Millionen Euro fehlen dem Haus für eine längst
überfällige Sanierung, die Aufführungen in der
kalten oder nassen Jahreszeit zulassen. Dabei verpassten die
Entscheidungsträger der Stadt im Mai dieses Jahres eine
Lösung, die den Fortbestand des prestigeträchtigen
Spielhauses hätte sichern können: Einen CDU-Antrag auf
Stellung von Städtebaufördermittel beim Land wurde von
Rot/Grün mit der Begründung einer Erhöhung des
städtischen Defizits abgelehnt. Mögliche 1,2 Millionen
Euro für das denkmalgeschützte Gebäude im
Volksgarten wurden damit verpasst. Auch die Bitte um eine
zehnprozentige Aufwandsbeteiligung lehnte das Gremium ab. Die
Mehrheit im Rat votierte seinerzeit lediglich für eine
Kostenschätzung bezüglich der Herrichtung des Hauses.
"Dass die Ratsmehrheit auf erhebliche Investitionen des Landes
verzichtet hat, ist ärgerlich, dass deshalb aber nun das Aus
für eine wichtige Spielstätte droht, ist
skandalös", bewertete Lorenz Deutsch, Mitglied im
Kulturausschuss und Vorsitzender der FDP-Fraktion in der
Bezirksvertretung Innenstadt, das Verhalten von SPD und
Grünen. "Die Stadt Köln hat eine einmalige Chance
vertan", kommentierte der Fraktionsvorsitzende der CDU in der
Bezirksvertretung Innenstadt, Bernhard Mevenkamp die verfahrene
Situation. Ob die jüngst in der Bezirksvertretung - unter
Enthaltung der SPD-Fraktion - beschlossene Bitte an den Rat zum
Erhalt der Orangerie eine Wende in der Sache herbeiführt,
bleibt fraglich. "Wir können nur die
'Alles-oder-Nichts-Schiene' fahren. Eine kleine Lösung
gibt es leider nicht", beschreibt die Leiterin des
Orangerie-Theaters, Hiltrud Cordes, den Ernst der Lage. "Dies
ist für mich und das Team eine Verlängerung der schwer
erträglichen Situation einer fehlenden Planungssicherheit, die
bereits seit Jahren andauert", so Cordes. "Ich hoffe, die
Politiker werden nach dem ersten Fehler der verpassten
Antragsstellung nicht auch noch den zweiten Fehler machen uns zu
übergehen ", wendet sich die Geschäftsführerin
an die Entscheidungsträger der Stadt.
Trotz der umjubelten diesjährigen Premieren von "Die
Hamletmühle", "Die Kampftrinkerin" oder die mit
dem Kölner Tanzpreis 2011 ausgezeichnete Produktion "Loss
Of Control", hallt der Schwanengesang durch das
geschichtsträchtige Haus. Jene letzte Aufführung
könnte sich bis zum Auslauf der Betriebsgenehmigung Ende 2012
schmerzlich hinziehen.
Informationen über die Spielstätte bietet die
Internetpräsenz www.orangerie-theater.de